Vorwort

Die Hegegemeinschaft „Östliches Müritzgebiet“ verfolgt zwei Ziele. Zum einen wird hiermit allen Mitgliedern unser Konzept zum nachhaltigen Wildmanagement dargestellt. Zum andern möchten wir uns mit dieser Seite einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Insbesondere den Menschen in der Region wird hiermit die Möglichkeit eröffnet, unsere Position zum Thema Wild und Jagd am Ostufer der Müritz näher kennenzulernen.

Das Jagen und Sammeln sind die am längsten praktizierten Eingriffe des Menschen in natürliche Abläufe. Die Jagd heute in unserer Kulturlandschaft ist jedoch viel mehr als nur die Nutzung der natürlichen Ressource Wild.

Unser Tun und Handeln orientiert sich am Erhaltungszustand des Wildes und an den Bedingungen seines Lebensraums. Dabei basiert unser planmäßiges Vorgehen auf möglichst objektiven, wissenschaftlichen Grundlagen und den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Darüber hinaus gibt es vielfältige wirtschaftliche und ökologische Belange zu berücksichtigen. Diese unterschiedlichen Interessenlagen erfordern von uns ein enges Zusammenspiel mit der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, den Kreisjagdverbänden, dem Landesjagdverband wie auch dem Landwirtschaftsministerium aber auch den Vertretern aus der Land- und Forstwirtschaft und nicht zuletzt mit dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz.

Aus diesem nicht immer einfachen Abstimmungsprozess resultiert unsere Konzeption zum Wild-Management. Dabei ist uns bewusst, auch das fortschrittlichste Wildbewirtschaftungskonzept muss immer wieder auf den Prüfstand, damit es - im Sinne eines adaptiven Management - den veränderten Bedingungen und neuen Erkenntnissen angepasst werden kann. Denken wir z.B. nur an die bevorstehende Rückkehr des Wolfes, die uns Jäger in Bezug auf das Schalenwildmanagement vor neue Herausforderungen stellen wird.

Als Besonderheit in unserer Hegegemeinschaft ist der Müritz-Nationalpark zu nennen, dessen westliches Teilgebiet mittlerweile vollflächig integriert ist. In diesem einzigartigen Vorranggebiet für Naturschutz haben sich die Interessen der Jagd und das Wildmanagement dem Schutzzweck unterzuordnen. Für uns Jäger gilt es weiterhin eine nationalparkgerechte Wildregulierung zu meistern.

Bei all diesen Überlegungen vergessen wir aber nicht, die Jagd soll freudig ausgeübtes Handwerk bleiben. Nur dann sind wir Jäger weiterhin motiviert, die anspruchsvollen Aufgaben zu realisieren. Ich hoffe die Vorlage unserer Konzeption zum Wildmanagement erfüllt seinen Zweck, erreicht nicht nur jedes Mitglied unserer Hegegemeinschaft und ist ein wichtiger Schritt im Sinne einer transparenteren Öffentlichkeitsarbeit.

Mit freundlichen Grüßen und Weidmannsheil 
Eckhard Polasinski

Lage im Raum und Größe

Die Gesamtfläche der Hegegemeinschaft „Östliches Müritzgebiet“ beträgt gegenwärtig ca. 38.233 ha. Das Gebiet liegt zwischen den Städten Waren (Müritz) im Norden und Neustrelitz im Osten sowie Mirow bzw. der Ortschaft Rechlin im Süden. Die Westgrenze ist identisch mit dem gesamten Ostufer der Müritz, die Nordgrenze verläuft nahezu parallel südlich der Bundesstraße B192 entlang den Orten Kargow, Groß Dratow, Ankershagen und Klein Vielen. Der östliche Grenzverlauf wird durch die Ortschaften Liepen, Adamsdorf, Zierke und Prälank bei Neustrelitz sowie Userin und Zwenzow charakterisiert. Die südliche Grenze verläuft von Leussow über Blankenförde, Babke, Schillersdorf, Kotzow, Retzow, Vietzen und Rechlin bis zum östlichen Südufer der Müritz. Der genaue Grenzverlauf ist einer Übersichtskarte zu entnehmen.

Flächenanteile und Naturraumbeschreibung

Das Gebiet der Hegegemeinschaft ist Teil der Mecklenburgischen Seenplatte. Mehr als 100 Seen mit einer Gesamtfläche von 3.280 ha sind hier nach dem Pommerschen Stadium der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren entstanden. Im Norden des Gebietes finden wir entlang des Endmoränenbogens ein reliefreiches Gelände mit z.T. lehmhaltigen und steinigen Böden vor. Hier wird intensiv Ackerbau betrieben. Insgesamt beträgt der Flächenanteil landwirtschaftlicher Nutzflächen 19 % (7.181 ha).

Die weiter südlich gelegenen Bereiche sind sogenannte Sanderflächen. Das sind von Natur aus sehr nährstoffarme und grundwasserferne Sandböden, die die Landwirtschaft zutreffend als Grenzertragsstandorte bezeichnet. Eine produktive Landnutzung ist hier wenn überhaupt nur mit Forstwirtschaft zu erzielen. In den letzten 150 Jahren fanden deshalb umfangreiche Aufforstungen mit der anspruchslosen Baumart Kiefer statt. Mittelalte Bestände im Alter von 60 – 80 Jahren prägen das Waldbild, laubholzreiche Waldstrukturen sind eher die Ausnahme. Der Waldanteil innerhalb der Hegegemeinschaft beträgt ca. 65 Prozent.

In den Niederungen sind nacheiszeitlich zahlreiche Verlandungs- und Durchströmungsmoore entstanden, die überwiegend als Grünland extensiv genutzt werden.

Große zusammenhängende und naturnahe Versumpfungsmoore mit ausgedehnten Schilfflächen wachsen am Ostufer der Müritz.

Auf dem Gebiet der Hegegemeinschaft entspringen zwei Havelquellen. Die Havel fließt von Ankershagen im Norden weiter in Richtung Süden und durchrinnt dabei mehrere Seen.

Das Klima östlich der Müritz liegt im subatlantischen bis subkontinentalen Übergangsbereich. Die Jahrsmitteltemperatur beträgt 8°C. Geringe Niederschläge von weniger als 600 mm p.a. deuten auf einen angespannten Landschaftswasserhaushalt hin.

Organisationseinheiten

Die Hegegemeinschaft liegt je zur Hälfte in den beiden Landkreises Müritz und Mecklenburg-Strelitz, somit ist die Untere Jagdbehörde Mecklenburgische Seenplatte zuständig.

Der überwiegende Teil der Jagdausübung erfolgt in Eigenjagdbezirken des Bundes, des Landes, der Stadt Waren (Müritz), der Jost-Reinhold-Stiftung und in zwei privaten Bezirken. Gemeinschaftliche Jagdbezirke nehmen einen deutlich geringeren Flächenanteil ein und sind in der Regel von den Jagdgenossenschaften an ortsansässige Jäger verpachtet. Innerhalb der Hegegemeinschaft wurden 8 Planungsbezirke ausgeschieden.

Zu den unmittelbar angrenzenden Hegegemeinschaften (HG) gehören die HG „Mirower Heide“ im Süden, die südöstlich gelegene HG „Strelitzer Heide“ sowie die HG „Wilhelminenhof-Zinow“ im Osten.

Besonderheit Müritz-Nationalpark

Mit einem Flächenanteil von 26.500 ha liegen 70 Prozent der Hegegemeinschaft im Müritz-Nationalpark. Leitbild für den seit 1990 bestehenden Nationalpark ist die Bewahrung der Landschaft mit ihrer eiszeitlich geprägten Vielfalt an Seen, Mooren und ausgedehnten Wäldern als nationales Naturerbe für jetzige und künftige Generationen. Es soll sich eine vom Menschen weitestgehend unbeeinflusste Naturlandschaft entwickeln, in der auch außergewöhnliche Naturereignisse ihren festen Platz haben. Für die Bevölkerung stellt der Nationalpark ein besonderes Naturerlebnis dar. Er steht ihr zur naturverträglichen Bildung und Erholung offen, soweit es der Schutzzweck zulässt.

Der Müritz-Nationalpark ist Habitat z.T. seltener Tierarten. Zu den bemerkenswerten Vogelarten zählen See- und Fischadler, Wanderfalke, Mittelspecht und Große Rohrdommel. Am Rederangsee befindet sich einer der bedeutendsten Binnenrastplätze des Graukranichs in Europa.

Von den Säugern ist der Fischotter regelmäßig verbreitet, der Biber ist 1996 eingewandert. Über 910 Gefäßpflanzen, davon 18 seltene Orchideenarten wurden bisher inventarisiert. Die Binsen-Schneide hat hier ihr größtes Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern.

Viele Lebensraumtypen wie z.B. nährstoffarme Seen, kalkreiche Sümpfe, Übergangs- und Schwingrasenmoore, Pfeifengraswiesen, Niedermoore, Eichen- und Buchenwälder befinden sich im Anhang der FFH-Richtlinie der Europäischen Union.

In einem Übergangszeitraum von 30 Jahren sind Initialmaßnahmen zu Renaturierung gestörter Lebensräume möglich. Hier sind insbesondere die Revitalisierung entwässerter Moore und die Waldbehandlung zur Erhöhung der Strukturvielfalt in naturfernen Nadelholzforsten zu nennen. So entstehen schrittweise große, zusammenhängende und behandlungsfreie bzw. naturnahe Räume. Bereits heute unterliegend ca. 70 Prozent des Nationalparks dem Prozessschutz.

Maßnahmen zur Regulierung von Tierpopulationen finden nur statt, wenn die natürliche Waldentwicklung gefährdet ist oder übergeordnete Ziele dies erfordern.

Die Erhaltung überlebensfähiger, naturgemäß gegliederter Wildbestände in ökologisch vertretbaren Dichten muss dabei gewährleistet sein. Die Bestandesregulierung richtet sich auf Rot-, Dam-, Reh-, und Schwarzwild. Das Wildmanagement muss sicherstellen, dass Wildschäden auf angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht größer ausfallen als im regionalen Durchschnitt.

Das Wild soll für Besucher erlebbar sein, dafür sind jagdliche Störungen in bestimmten Bereichen oder zu bestimmten Zeiten auszuschließen.

Gemäß Nationalparkverordnung und internationalen Kriterien sind wirtschaftsbestimmte Nutzungen im Müritz-Nationalpark ausgeschlossen. Daher ist die Jagd zum Zwecke des Trophäenerwerbs oder nach Maßgaben von Trophäenmerkmalen unzulässig. Sie erfolgt ausschließlich nach Altersklassen.

Gesetze und Richtlinien

Folgende Gesetze und Richtlinien sind in der jeweils gültigen Fassung für die Arbeit der Hegegemeinschaft relevant:

  • Bundesjagdgesetz Landesjagdgesetz M-V
  • Nationalpark-Jagdverordnung M-V
  • Gemeinsame Richtlinie für die Hege und Bejagung des Schalenwildes der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (Wildbewirtschaftungsrichtlinie)
  • Satzung der Hegegemeinschaft „Östliches Müritzgebiet“
  • Bundesnaturschutzgesetz
  • Landesnaturschutzgesetz M-V
  • Nationalpark-Verordnung des Müritz-Nationalparks  

Leitbild für das Rotwild

Das Rotwild (Cervus elaphus) ist eines unserer größten Landsäugetiere. Der „Altwelthirsch“ gehört zur Ordnung der Paarhufer und ist fast auf der gesamten Nordhalbkugel in verschiedenen Unterarten und Ökotypen verbreitet. Nach der letzten Eiszeit war die Art in Mitteleuropa bis in die Neuzeit hinein nahezu flächendeckend vertreten.

Nach heutigem Wissensstand gilt sie ursprünglich als Bewohner offener bzw. halboffener Landschaften. Der Rothirsch ist in unserer Kulturlandschaft meist auf Refugien wie größere Waldgebiete zurückgedrängt worden. In Deutschland leben gegenwärtig ca. 150.000 Exemplare, der Rothirsch ist momentan sicher keine gefährdete Art im engeren Sinne, da die verbliebenen Teilvorkommen zur Zeit durchaus überlebensfähig sind.

Eine mögliche langfristige Gefährdungsursache ist die anhaltende Verinselung von Subpopulationen über viele Generationen hinweg. Ein genetischer Austausch bzw. weite Wanderungen werden zusätzlich durch Zerschneidung der Landschaft erschwert.

Für unseren „Müritzhirsch“ sind jedoch weite Wanderwege über einen Fernwechsel bis hin zum Darß zumindest theoretisch möglich. Weitere Verbindungen bis in die Nossentiner-Schwinzer-Heide und in die Mecklenburgische Schweiz gelten als gesichert, sodass der Rotwildbestand in unserer Hegegemeinschaft keine isolierte Teilpopulation darstellt, auch wenn die Hirsche auf ihren Wanderwegen viele Hindernisse (z.B. Straßenverkehr) zu meistern haben.

In Anlehnung an das unter der Federführung der Deutschen Wildtierstiftung entwickelte Leitbild für ein fortschrittliches Management des Rotwildes in Deutschland (2006) gilt in unserer Hegegemeinschaft folgendes Leitbild:

Leitbild ist ein frei lebender, vitaler Rotwildbestand, der alle geeigneten Lebensräume besiedelt, seine Habitate selbst wählt und seinen Lebensrhythmus eigenständig bestimmt.

Unser revierübergreifendes Management sorgt für einen Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen des Menschen einerseits und den Ansprüchen des Rotwildes andererseits.

Dort wo Rotwild in unserer Hegegemeinschaft häufig vorkommt ist es jagdliche Leitart. D.h. das Management des gesamten Schalenwildes orientiert sich in den Verbreitungsschwerpunkten vorrangig an dieser Wildart. Durch die bereits seit 1998 per Jagdverordnung vorgenommene Ausweisung von permanenten Jagdruhezonen werden Wildtiere in ihrem Lebensraum gefördert und für die Nationalparkbesucher erlebbar gemacht. Besonders das lernfähige Rotwild nutzt bevorzugt diese fast störungsfreien Wildschutzgebiete, verhält sich tagaktiv und vertraut. Als gelungenes Beispiel gilt die Offenlandschaft am Ostufer der Müritz mit seinen ausgedehnten Schilf- und Sumpfflächen, eingestreuten Laubholzinseln und Naturwiesen sowie dem angrenzendem Extensivgrünland.

Außerhalb dieser jagdfreien Zonen sind bei Entscheidungen über die Bejagung des Rotwildes immer seine biologischen Bedürfnisse wie Ernährungsweise, soziale Organisation, Raumnutzung und Sicherheit zu berücksichtigen.

Eine vorbildliche Rotwildbejagung setzt sich zum Ziel, Tagaktivität und Vertrautheit des Wildes zu fördern und eine naturnah gegliederte Rotwildpopulation zu erhalten. Diese ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil erwachsener Tiere, das Vorkommen von alten männlichen Hirschen, ein zu Gunsten des weiblichen Wildes verschobenes Geschlechterverhältnis und die Organisation in Rudeln. Sozial intakte Wildbestände und geringer Jagddruck können wesentlich dazu beitragen Verbissbelastung im Wald und Wildschäden auf den Feldern gering zu halten.

Grundsätze für die Schalenwildbejagung

  1. Die Bestandsregulierung des Schalenwildes in der Hegegemeinschaft wird entsprechend der Wildbewirtschaftungsrichtlinie vorgenommen. Im Geltungsbereich des Müritz-Nationalparks sind Schutzzweck und Zielsetzungen zu berücksichtigen.
  2. Angestrebt werden naturnah gegliederte Wildbestände in ökologischen und wirtschaftlich verträglichen Dichten, die das Ankommen und den Aufwuchs natürliche Verjüngung in den Wäldern nicht behindern. Die Höhe der angestrebten Zielbestände orientiert sich an den Ergebnissen der Wildbestands- und Wildwirkungsmonitorings sowie der wildbiologischen Forschung.
  3. Es erfolgt ein Wildregulierung mit dynamischer Abschussplanung, d.h. mit steigendem oder fallendem Jagddruck entsprechend der Populationsentwicklung des Schalenwildes. Die Regulierung der Bestandeshöhe wird vorrangig über die Beeinflussung des Geschlechterverhältnis vorgenommen.
  4. Zur Regulierung des Schalenwildes wird ein Wahlabschuss nach Altersklasse unter Berücksichtigung des Geschlechterverhältnis, der Sozialstruktur und der körperlichen Verfassung vorgenommen.
  5. Jagdausübung nach Maßgabe von Trophäenmerkmalen findet nicht statt. Die angewandten Jagdarten und -methoden orientieren sich am Erfolg. Mit der Jagd verbundene Störungen und Beeinträchtigungen sollen entsprechend den ökologischen und naturschutzrechtlichen Erfordernissen zeitlich und räumlich auf ein notwendiges Mindestmaß beschränkt werden.

Jagdmethoden und Jagdzeiten

Über „best practise“ der Jagdausübung findet in unserer Gemeinschaft ständig ein gegenseitiger Austausch statt. Die Erfahrungen lehren uns, es gibt kein Patentrezept welches für jedes Jagdrevier seine Gültigkeit hat. Waldreviere mit ganzjährigen Wildeinständen erfordern andere Methoden als reine Feldreviere. Jeder Revierinhaber muss das „Gesetz des Örtlichen“ in seiner Entscheidung berücksichtigen und revierspezifische Lösungen entwickeln. Wichtigstes Entscheidungskriterium ist letztendlich immer das „Wohlbefinden des Wildes“, daher müssen unsere Jagdeinsätze möglichst störungsarm und effektiv sein.

In Jagdbezirken, die ganzjährig Einstände für Rotwild bieten (Standwild) orientieren sich unsere Überlegungen an dieser Leitart.

Wir empfehlen die störungsintensive Nachtjagd zumindest im Wald möglichst zu vermeiden.

Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Abschuss-Planerfüllung bis Ende Dezember zu realisieren, um dem Wild spätestens ab Januar jagdbedingte Energieverluste zu ersparen. Im Interesse des Wildes müssen auch im Sommer nicht überall die gesetzlichen Bestimmungen zur Jagdzeit voll ausgeschöpft werden. Die Ausweisung von Jagdruhezonen im Nationalpark und zeitlichen Beschränkungen der Jagdausübung über die gesetzlichen Regelungen hinaus wird dieses Ziel jedoch erschwert.

In den letzten 10 Jahren hat in unserer Gemeinschaft der Anteil an der Gesamtstrecke in Bezug auf Bewegungsjagden (Ansitzdrück- und Stöberjagen) kontinuierlich zugenommen. Er liegt in den großen Revieren, welche einen hohen Waldanteil aufweisen, mittlerweile zwischen 50 und 60 Prozent. Traditionell finden revierübergreifende Abstimmungen von gemeinsam durchgeführten Jagdtagen statt. Dadurch erhöht sich die Effektivität und Effizienz unser jagdlichen Eingriffe nachhaltig.

Jagdliche Infrastruktur

Jagdliche Infrastrukturen wie z.B. Hochsitze und Ansitzleitern sind auf das erforderliche Maß zu beschränken. Oft gilt auch hier der Grundsatz: Weniger ist Mehr. Jagdliche Einrichtungen sind quasi die „Visitenkarten“ des Jagdbetriebes, sie sollten das Landschaftsbild möglichst nicht beeinträchtigen. Schon die Bauweise und der Standort entscheiden über die Einstellung des Betrachters zum Objekt. Diesbezüglich sollte sich jeder Revierinhaber einer ständigen Selbstkontrolle unterziehen. Selbstverständlich erwarten wir von jedem Mitglied, dass die naturschutzfachlichen Besonderheiten auf den Flächen des Müritz-Nationalparks Berücksichtigung finden. Belange des Arten- und Biotopschutzes haben nicht nur hier Vorrang.

Die Anzahl von Schwarzwild-Kirrungen sollte eine Anlage je 75 ha nicht überschreiten. Bei einem Streckenergebnis von weniger als 4 Sauen pro Jagdjahr wird empfohlen, die Kirrung im Folgejahr einzustellen (Faustregel).

Ständige Kontrollfahrten und die Bereitstellung von Lockfutter sowie die erforderlichen Jagdeinsätze (Nachtansitz) sind sehr störungs- und ressourcenintensiv.

So wurde in der Regiejagd des Nationalparkamtes jegliche Kirrmaßnahmen bereits vor Jahren abgeschafft, ohne dass die Schwarzwildbestände deshalb stark angestiegen sind. Die Streckenergebnisse belegen, es geht zumindest im Wald auch ohne entsprechende Lockfütterungen.

Wildbestands- und Wildwirkungsmonitoring - Herleitung Abschussplan

Uns ist allen bewusst, die aus den gemeinsame Frühjahrszählungen abgeleiteten Bestandeszahlen können nur Schätzungen sein. Zusätzliche Ergebnisse aus der Streckenrückrechnung spiegeln die Mindestzahlen der einzelnen Schalenwildarten wieder.

Einen immer größeren Stellenwert bei der Ermittlung des Wildbestandes haben ökologische Weiser wie die Verbiss- und Verjüngungssituation im Wald. In Kombination mit dem nahezu flächendeckenden Losungszählverfahren erhalten wir seit 1998 zusätzliche Aussagen insbesondere über Wildkonzentrationen des Rot- und Damwildes und seine räumliche Verteilung. Die mittlerweile vorhandenen langen Datenreihen versetzen uns in die Lage, Entwicklungstrends zu erkennen und entsprechend zu reagieren. In Zukunft wird die Auswertung der Gesamtdaten mit Hilfe von geographischen Informationssystemen eine bedeutende Rolle spielen.

Auf Grundlage dieser sich jährlich wiederholenden Monitoringverfahren in Kombination mit den revierweisen Bestandesschätzungen und der Streckenrückrechnung werden die Abschusspläne unserer Schalenwildarten erstellt.

Zur Festlegung der Mindestabschusspläne für das Schwarzwild sind die verursachten Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Flächen ein zusätzliches Entscheidungskriterium.

Der Wolf und die Hegegemeinschaft

Mecklenburg-Vorpommern ist ohne Zweifel Wolfserwartungsland. Gegenwärtig leben einzelne Wölfe in 4 verschiedenen Regionen unseres Bundeslandes. Mit der Rückkehr des Wolfes ist somit auch in unserem Wirkungsbereich östlich der Müritz jederzeit zu rechnen. Große Feuchtgebiete und ausgedehnte Wälder mit dem dazugehörigen Wildreichtum bieten dem Wolf gute Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Das Zusammenleben mit dem Raubtier Wolf wird erfahrungsgemäß nicht ohne Konflikte erfolgen. Daher begrüßt unsere Hegegemeinschaft die Initiative des Landwirtschafts- und Umweltministeriums in Schwerin zur Einrichtung einer Ag Wolf, in der alle wichtigen Akteure ihre Interessen vertreten und gemeinsam an einem Managementplan für diese Art gearbeitet wird. Dabei gehen wir davon aus, dass die langjährigen Erfahrungen und Erkenntnisse im europäischen Wolfsmanagement berücksichtigt werden.

Wir Jäger bieten unsere Mitwirkung an einem flächendeckenden Wolfsmonitoring an. Vier unserer Mitglieder haben sich nach einer entsprechenden Weiterbildung bereit erklärt als „Wolfsbetreuer“ ehrenamtlich tätig zu werden. Revierinhaber die Sichtbeobachtungen machen oder eventuelle Wolfshinweise wie Wildrisse oder Losung finden können sich an diese wenden. Kontaktdaten der für uns zuständigen Wolfsbetreuer befinden sich im Anhang.

Die Meinungen zum Thema Wolf sind unter uns Jägern nicht einheitlich. Der Informations- und Diskussionsbedarf ist groß, daher erwarten wir von den zuständigen Stellen die Organisation von entsprechenden Veranstaltungen. Dazu bieten wir uns als Plattform an.

Offene Fragen wie z.B. der Einfluss des Wolfes auf die Bestandsentwicklung unseres Schalenwildes sind durch wildbiologische Forschungsprojekte zeitnah zu klären. Zusätzliche Telemetriestudien sind unabdingbar, sie helfen Aussagen zur Rudelgröße und zum Territorialverhalten zu treffen.